<h4>Chapter 782: Ein Weg zurück (Kap.783)</h4>
Jian schüttelte leicht den Kopf. Wahrscheinlich machte er sich einfach zu viele Sorgen. Er vermisste sie so sehr, dass er nun Anzeichen ihrer Aura in einer ganz anderen Dimension zu spüren ubte.
Doch ein Blick auf Kaideon verriet Jian, dass er nicht der Einzige war, der es wahrgenommen hatte, was auch immer es war.
Es war keine Zeit, darüber nachzudenken. Das Schwarze Meer regte sich und wenn sie seinem Ruf nicht folgten, würde Fort zed versinken.
Jeden Moment k?nnte ihr Z?gern Folgen zeitigen und die ersten Leidtragenden w?ren die Bürger der Stadt.
Die Welt bebte erneut, diesmal st?rker. Jian konnte das ferne Brechen der Wellen h?ren.
Die Steintürme ?chzten. Die Mauern von Fort zed ratterten heftig und das Beben erschütterte den Keller. Kaideon zischte leise.
"Uns l?uft die Zeit davon. Jemand muss da raus." Er sagte entschieden. "Cassian ist nicht dazu in der Lage und Mein Herr kann es nicht sein."
"Bleibt hier." Jian winkte sofort ab. Er zog die Stirn kraus, w?hrend er die Magier bei ihrem Zauberwerk beobachtete.
Es war ein Risiko, das er einging, indem er eine Herausforderung ausschlug. Doch Jian vertraute seinem Instinkt und in diesem Augenblick sagte ihm dieser, dass er genau hier am wichtigsten gebraucht wurde.
Das Summen der Magie wurdeuter und m?chtiger. Es hallte an den W?nden des Kellers wider und war fast sichtbar.
Die Runenteile leuchteten heller auf; ihre zugeh?rigen Gegenst?nde waren im Kreis um den knienden Jason tziert worden und bewegten sich nun klimpernd auf ihn zu.
"Was geschieht hier?" fragte Cassian argw?hnisch und blickte sich im Keller um.
"Ich bin mir nicht sicher..." antwortete der einzige Magier, der nicht in den Umkehrzauber involviert war.
"Sprich." Cassian dr?ngte darauf.
"Es ist eine Flut magischer Energie... als h?tte sich irgendwo in der Dimension eine magische Quelle ge?f." erkl?rte der Magier.
"Das hei?t, es gibt nun eine reichhaltige Quelle? Der Zauber kann fehlerlos umgekehrt werden?" wollte Starron sicher gehen.
"Ja..." Er verstummte und sein Ton war vorsichtig.
"Und?" Cassian ahnte, dass das noch nicht alles war.
"Das bedeutet auch, dass der Schleier zwischen dieser Dimension und der Realit?t so sehr geschw?cht wurde, dass Magie eindringen kann. Das ist das untrügliche Zeichen für einen Zusammenbruch." schloss der Magier.
Jian presste die Lippen zusammen. "Wir wussten, dass es passieren würde. Zwischen dem Zusammenbruch der Dimension und dem Biest au?erhalb unserer Mauern gibt es nur einen Ausweg... nach drau?en."
"Im wahrsten Sinne des Wortes." murmelte Cassian.
Der Junge, Jason, zuckte heftig, seine Augen waren unnatürlich weit aufgerissen und Spuren von dunklem Nebel wirbelten darin. Sein Mund ?fe sich zu einemutlosen Schrei.
"Warum habe ich das Gefühl, Zeuge eines rituellen Opfers zu sein..." kommentierte Orin unruhig.
"Die Magier haben versichert, dass er nicht sterben wird." sagte Starron, sein Ton kalt. "Zumindest nicht durch ihre Hand."
Ein blendendes Leuchten erhellte den Keller, und die Runen auf Jasons Brust l?sten sich, als w?ren sie eine ?u?ere Hautschicht. Licht durchflutete den Raum. Ein Schrei, von Jason oder der Festung selbst, hallte durch die W?nde.
Dann herrschte Stille.
Der Elitemagier, der den Zauber leitete, sank keuchend auf die Knie. "Es ist vollbracht."
Alle Runenteile hatten sich zu einer seltsamen, einzigen Rune vereint, die sich in den Boden gebrannt hatte.
Die Bindung war gel?st. Mit dem Wiederzusammenfügen der verankernden Rune war der Zauber rückg?ngig gemacht worden... zumindest theoretisch.
"Es ist nichts geschehen..." murmelte Ranjor, der durch das Fenster blickte.
"Mit Dimensionsrunen kenne ich mich zwar nicht aus, aber ich habe getan, was für die Umkehrung des Zaubers n?tig ist." teilte der Elitemagier mit. "Und ich bin mir sicher, dass wir alle gespürt haben, dass es weit entfernt von ’nichts’ ist."
"Wie sicher k?nnen wir sein, dass es funktionieren wird?" warf Orin eine Frage ein.
"Veah und Garron haben diese Methode zusammen ausgearbeitet." sagte Kaideon, sein Tonfall war überzeugt. "Keiner von beiden hat sich jemals geirrt."
Ein gewaltiger Donnerscg zerriss den Himmel und ein kontinuierliches Beben, so stark, dass fast jeder im Keller Mühe hatte, auf den Beinen zu bleiben.
Und drau?en,
riss der Himmel auf.
"Es passiert." berichtete Ranjor, der immer noch aus dem Fenster schaute.
Jian blickte zum Fenster und sah, wie der Himmel sich an den Nahtstellen der Realit?t aufspaltete.
Ein Loch entstand, schwarz umrandet, und mit einem Rand wie geschmolzenes Gestein. Der Boden unter seinen Fü?en bebte immer noch und wurde mit jedem Augenblick unruhiger.
Aber irgendetwas stimmte nicht.
"Warum werden wir nicht hindurchgezogen?" fragte Starron und beobachtete ebenfalls den Himmel durch das Fenster.
"Die Festung sollte zurückgezogen werden..." sagte der Elitemagier und schüttelte verwirrt den Kopf. "Alles sollte wie vorgesehen sein."Cassian erstarrte daraufhin und sein Blick begee dem von Jian – bei beiden stieg das Verst?ndnis auf.
"Au?er, dass dem nicht so ist", sagte Cassian.
Die Stimme des Elitemagiers war fast unh?rbar, als auch er es begriff. "Die Magie berücksichtigt keine neuen Seelen. Sie ist ausgewogen wie eine Waagschale. Gleiches Gewicht. Wenn wir nicht Teil der Festung waren, als sie in diese Dimension gezogen wurde..."
"...dann sind wir auch nicht Teil ihrer Rückkehr", vollendete Jian.
"Die Festung kann nur mit derselben Anzahl von Seelen zurückkehren, mit der sie vessen wurde."
Für einen Moment sprach niemand.
Kaideon trat vor. "Was macht das schon? Das hier ist noch nie dagewesen. Wir haben den Raum selbst aufgebrochen, versteht ihr, was das bedeutet?"
Er wandte sich an Jian und Cassian. "Diese Spalte, sie rei?t immer weiter auf. Sie ist noch nicht gro? genug. Vielleicht auch nicht mehrnge so. Aber es reicht aus."
Jian ballte seine F?uste. "Du willst, dass wir es darauf ankommenssen."
Kaideons Blick traf den seinen. "Wir schlüpfen durch den Spalt. Oder wir kommen nah genug heran, um ein Portal zu beschw?ren. Portalzauber funktionieren hier nicht, aber sicher n?her am Schleier, der die Dimensionen trennt. Wir finden unseren eigenen Weg hinaus. Wenn wir es nicht schaffen, bleiben wir hier. Für immer."
"Was ist schon neu?" Jianchte trotzdem. "Ehrlich gesagt... nichts."
Er wandte sich an Starron. "Bereit zum Flug?"
Starron zuckte l?ssig mit den Schultern. "Alles ist besser, als im Schwarzen Meer zu versinken."
"Gut. Cassian wird deinen tz hier einnehmen", entschied Jian.
"Aber..." Cassian wollte protestieren, wurde jedoch von Jians Blick zum Schweigen gebracht.
"Diesmal bist du nicht in der Verfassung, mich zu begleiten, Bruder", sagte Jian. "Ich erteile dir vorübergehend Entbindung von deiner Pflicht. Bis wir uns auf der anderen Seite wiedersehen."
"Das k?nnte der einzige Uub sein, den du in diesem Leben bekommst. Nutze ihn weise." Jian fügte hinzu und auf diese Weise gng es ihm tats?chlich, Cassians nachdenkliche Stimmung aufzuhellen.
Cassianchte leise und nickte einmal. "Ich werde ein paar herrliche Stunden haben und einen H?llenritt zurück."
Ein leises Lachen breitete sich unter den Drachenlords aus.
"Das wirst du", stimmte Jian zu.
Das Lachen verstummte schnell, es blieb nur das tiefe, rhythmische Summen der Magie, das immer noch pulsierte, als w?re es ein zweiter Herzscg.
Jian blickte erneut zum Fenster, seine Finger zuckten unruhig an seinen Seiten. Er wandte sich davon ab und sah Cassian in die Augen.
Einen Momentng z?gerte Jian, überlegend, welche Worte er nun sagen sollte.
"Mein Lehnsherr?" Cassians Stimme hallte in seinen Gedanken nach.
"Wenn ich es nicht schaffe...", begann Jian, wurde jedoch fast sofort unterbrochen.
"Nein."
Jian fuhr unbeirrt fort. "Wenn ich es nicht schaffe, m?chtest du Neveah eine Botschaft von mir überbringen."
Cassian richtete sich auf, sein Blick wurde sch?rfer. "Ich sagte nein, Jian."
"Sie hat es verdient zu wissen," dachte Jian leise. "Dass ich sie nie im Stichssen wollte... niemals. Aber ich..."
"Ich werde deine K?nigin, deinen Geist, nicht preisgeben, Jian." Cassian hob mit einer seltenen Sch?rfe in seiner Stimme an. "Du hast keine Eubnis zu sterben. Nicht jetzt. Nicht auf diese Weise."
"Und du ubst, Veah würde es mir durchgehenssen, wenn ich versage, dich sicher zurückzubringen? Oder dass ich es wage, ohne dich zurückzukehren? Was werden dann unsere Brüder von mir halten? Unsere Eide brechend? Wenn du stirbst, sei dir sicher, dass du mich im Jenseits neben dir finden wirst, bevor ich daran denke, eine Botschaft zu überbringen."
Es herrschte eine kurze Stille. Jians Kiefer spannte sich an, aber er nickte einmal. Er wollte nicht streiten. Nicht mit Cassian. Nicht, wenn sie beide wussten, wie schlecht die Chancen standen.
Cassian atmete tief aus und ging zu Jian hinüber, legte eine beruhigende Hand auf seine Schulter. "Spare dir deine Abschiedsworte, bis du sie wieder siehst."
"Ich k?nnte sie mir genauso gut sparen", antwortete Jian, ein leichtes Zucken umspielte seine Lippen.
Kaideons Stimme ert?nte von der anderen Seite des Raumes, lebhaft und scharf. "Der Schlitz weitet sich. Wir haben nicht mehr viel Zeit."
Jian atmete tief durch und drehte sich zu den anderen um. Orin hatte bereits seinen Umhang umgelegt. Ranjor h?ngte seine Klinge an die Wand, einen S?bel aus Dunkelstahl, der ihm nie von der Seite wichen... bis jetzt.
Starron beendete das Flüstern eines Befehls an einen der verbleibenden Magier, der nickte und trat beiseite.
"Die Magier bleiben in der Festung, ausgetauscht gegen ein paar zedrachen. Alle au?er einem... für den Fall, dass wir ein Portal ben?tigen", berichtete Starron an Jian. "Die Drachen sind bereit, sie warten auf den Stadtmauern. Auf dein Wort."
Jian legte eine Hand auf seine Brust, wo seine verkehrte Schuppe gewesen w?re. Eine Erinnerung daran, dass sein Leben bereits zu sehr mit ihrem verwoben war.
Noch ein wenig l?nger, sagte er sich. Nur noch einen Schritt und er w?re wieder bei ihr.
Als er den Keller verlie?, schaute er nicht zurück.