<h4>Chapter 756: Liebe oder Hindernis (Kap.757)</h4>
Raena l?chelte sanft, ihre Augen w?rmten sich, als sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Bach zuwandte und hineinblickte. Sie beobachtete die farbenfrohen Fische, die kurz neugierig zu ihr herüberschauten, bevor sie eilig wieder davon schwammen.
Das Ger?usch der Abendbrise, die das hohe Gras des Feldes zerzauste, rief ihr Agardans dr?hnendes Lachen in Erinnerung. Es war zwar selten, doch sein Lachen schallte über das htfeld und stellte sich mit einer Freude, die er sich nicht nehmen lie?, der Dunkelheit entgegen, der sie gegenüberstanden.
Nach der Geburt ihrer S?hne war es noch h?ufiger zu h?ren. Raenas L?cheln wurde heller, als sie sich daran erinnerte, wie er ihre S?hne hielt, je einen in jedem Arm. Trotz ihrer Gr??e trug Agardan sie herum, als w?ren sie seine kostbarsten Sch?tze. Seine Stimme war sanft, wenn er ihnen von seinen Tr?umen erz?hlte... von einer Welt, in der sie ohne Furcht aufwachsen konnten.
Ein Rascheln im Gras holte Raena aus ihren Gedanken. Sie drehte sich um und erwartete die Fae-Wachen zu sehen, die sie an den Waldrand eskortiert hatten, doch die auftauchende Gestalt war keine Wache.
"Eure Hoheit." Raena grü?te mit einer respektvollen Neigung des Kopfes. Genug, um Ehrerbietung zu zeigen, aber nicht zu tief. Agardans Ehrestete auf ihren Schultern, und sie hatte gelernt, vor keinem Monarchen den Kopf in Unterwürfigkeit zu senken... Agardan unterstand keinem Mann, und sie ebenso wenig.
Die Hohe K?nigin strahlte wie immer k?nigliche Pr?senz aus. Ihr flie?endes, silbernes Kleid funkelte wie Mondstrahlen. Ihr üppiges braunes Haar floss in Kaskaden über ihren Rücken und wurde von den zarten Zweigen einer verwunschenen Weide gekr?nt. Und ihre Augen waren scharf und durchdringend, sie verbreiteten eine Intensit?t, die die Luft erkalten lie?.
"Die Eidung wurde wohlwollend aufgenommen. Agardan l?sst grü?en, er wird erfreut sein zu h?ren, dass Ihr Euch entschieden habt." fuhr Raena warmherzig fort.
"Ihr habt ihm nichts von meiner Eidung erz?hlt." Das wissende L?cheln der Hochk?nigin war weich, doch kühl, ihr Blick auf Raena war unbehaglich prüfend.
"Agardan wurde vor Eintreffen Eurer Eidung zu dringlichen Angelegenheiten gerufen. Ich werde mich an seiner Stelle um die Sache kümmern und ihm Eure Worte nach seiner Rückkehr übermitteln." entgee Raena.
"Wie treu du bist, Raena." lobte die Hohe K?nigin. Ihr Ton war honigsü?, jedoch distanziert. "Immer an seiner Seite in jeder ht, bei jeder Prüfung... man k?nnte fast vergessen, dass du einst die Lieblingsminnes?ngerin des Dunklen Lords warst."
Raenas Stirn legte sich in Falten bei diesem Gedanken an ihre Vergangenheit. Die Minnes?ngerin des Dunklen Lords zu sein, war keine gro?e Ehre. Manche mochten denken, es w?re erstrebenswert, im Rat des Dunklen Lords zu sitzen, in feinste Gew?nder gehüllt zu sein, Harfe zu spielen bis die Finger bluteten und die H?nde zerrissen waren, st?ndig von Schattenwesen verfolgt zu werden... aber nicht Raena, nicht, wenn die Schrecken, die sie in jenem Turm erlebt hatte, sie jeden wachen Moment verfolgten, bis sie Agardan bege war.
Und selbst jetzt gab es noch Zeiten, in denen sie es nicht abschütteln konnte... die Schatten...
"Meine Treue gilt meinem Herrn Drachen und unserer Sache. Der Welt, von der wir tr?umen... nicht weniger, nicht mehr." antwortete Raena direkt. "Wenn Eure Hoheit nichts Wesentliches zu besprechen hat, werde ich mich jetzt zurückziehen."
Die Augen der Hochk?nigin verengten sich unzufrieden und ihr L?cheln erstarb. "Die Welt, von der ihr tr?umt..." wiederholte sie. "Eine Welt, in der du an seiner Seite stehst. Wo sein Herz nur für dich schl?gt."
Raenas Brauen zogen sich verwirrt und misstrauisch zusammen. "Eure Hoheit?"
Die Augen der Hohen K?nigin verdunkelten sich, ihre Stimme war leise und von Bitterkeit durchzogen. "Lange bevor die Welt ihn als Helden kannte...nge bevor er der Bezwinger war,nge bevor ihr überhaupt an seiner Seite wart. Ich... Ich habe ihn geliebt. Und er sollte mir geh?ren."
In diesem Moment wurde die Luft schwer und die leuchtenden Farben des Waldes verssten. Raena trat einen Schritt zurück, ein kalter Schauer kroch ihr den Rücken hinunter, als dieses Misstrauen sich zu einer Flut von Misstrauen auswuchs. "Ich...""Du hast ihn mir entwendet," zitterte die Stimme der Hohen K?nigin vor Zorn. "Du wurdest zum Licht in seinen Augen, zum Lachen auf seinen Lippen. Selbst jetzt, in seinem Traum einer besseren Welt, sieht er nur dich. Dich, die ihm nichts geben kann!" Ihre T?tungsabsicht war spürbar in der Bosheit ihres Tones.
Raena wurde es pl?tzlich r. "Eure Hoheit, Agardan geh?rt nicht..."
"Er geh?rt nicht mir?" Unterbrach die Hohe K?nigin sie und ihr K?rper bebte vor Wut. "Er h?tte mir geh?ren k?nnen... er h?tte es getan, wenn du nicht dazwischengetreten w?rest." Ihre Augen gl?nzten von Tr?nen, die sich nicht l?sen wollten.
"Ich habe ihm alles geopfert! Meine Treue, meine Macht... ubst du, das alles geschah nur, weil er mir einmal das Leben gerettet hat?"
"Ich habe ihm meine Krone versprochen! Meinen Thron! Mein ganzes Herz! Aber dann kamst du!" Sie zischte es.
Raenas Herz schmerzte. Sie wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte, konnte jedoch das Mitleid nicht unterdrücken. "Eure Hoheit, Agardans Herz geh?rt ihm selbst. Niemand kann beeinflussen, wo es seine Zuneigung findet."
Die Augen der Hohen K?nigin verengten sich ver?chtlich. "Du liegst falsch." Ihre Stimme war nun vollkommen kalt. "Er wird um dich trauern... er wird das Reich hassen, das dich ihm entrissen hat, und schlussendlich wird er sich mir zuwenden."
Raena blieb keine Zeit zu reagieren, denn die um sie herumgernden Ranken erwachten pl?tzlich zum Leben, umgen ihre Kn?chel und fesselten sie. Die sanfte Abendbrise verwandelte sich rasch in einen tobenden Sturm, und selbst der Sonnenuntergang wurde aus dem Himmel verdr?ngt, lie? ihn trist und grau zurück.
Arkane... die m?chtigste Magie der Erde.
"Eure Hoheit!" schrie Raena und str?ubte sich gegen die Ranken, die ihren K?rper hinaufkletterten, deren Dornen ihre Haut durchbohrten, ihr Blut saugten. "Was tun Sie..."
"Das, was ich schon vor einem Jahrzehnt h?tte tun sollen", flüsterte die Hohe K?nigin, ihre Augen frei von jeglichem Mitleid. "Du wirst ihn nur davon abhalten, sein volles Potenzial zu erreichen. Seine Liebe zu dir l?sst ihn Gutes im Dunklen Reich sehen... dass es noch gerettet werden kann... vergeben."
"Doch wenn du fort bist... wird er die Wahrheit erkennen. Siegen kann er nur, wenn er solche Schw?chen ablegt." Ihr Ton war feierlich. Die Ranken zogen sich zusammen, umwickelten Raenas Brust und pressten ihr den Atem aus den Lungen. Schmerz durchzuckte ihren K?rper, scharf und gnadenlos, w?hrend die Dornen sich tiefer einbohrten.
Raena keuchte, Tr?nen stiegen in ihre Augen, als sich der Wald zu verdichten schien und das einst so sch?ne Gras nun von B?sartigkeit verdreht war. "Bitte... er braucht mich... unsere S?hne..." Ihre Stimme erstarb, ihre Sicht verschwamm, als der Schmerz unertr?glich wurde.
Die Augen der Hohen K?nigin wurden weicher, ein Hauch von Schuld glitt über ihre Züge, doch er verschwand ebenso schnell wieder und wurde durch kalte Entschlossenheit ersetzt. "Er braucht niemanden au?er mir. Und eure S?hne... sie werden als Helden gro?gezogen werden. Sie werden sein Verm?chtnis weiterführen... und ich werde diejenige sein, die ihm über seinen Kummer hinweghilft."
Raenas Herz zerbrach, ein Schrei entwich ihrer Kehle, als die Ranken sich zusammenzogen und ihre Rippen zermalmten, der Schmerz in ihrer Seele widerhallte.
Als die Dunkelheit n?her rückte, fühlte Neveah Raenas letzte Emotionen. Den Schmerz, die Trauer und die überw?ltigende Verzweiflung. Und mit diesem Druck tzte Neveahs Herz fast.
Die Szene explodierte in einem Ausbruch goldenen Lichts, der lebendige Wald versste zu Schwarz, und das Echo von Raenas letztem Atemzug blieb in Neveahs Gedanken zurück.