<h4>Chapter 615: Risse (Kap.616)</h4>
Menarx legte behutsam Neveah auf Estelles Bett und trat zurück, sodass Estelle die Decke über sie ziehen konnte.
"Veah..." sagte Estelle besorgt und hielt Neveahs Hand fest.
"Warum ist sie so kalt? Ihre Haut ist so kalt..." machte sich Estelle Sorgen.
"Ein Nebeneffekt der Pille, wir setzen diese Dosis nur in extremen F?llen ein... wie diesem hier, aber es wird ihr wieder gut gehen, sobald die Wirkung nachl?sst", versicherte Everon von dort, wo er stand.
Menarxs Blick verweilte einen Moment auf Neveah, bevor er sich umwendete und seinen dunklen Blick auf Everon, Tara und Dante richtete.
"Ich dachte, ihr alle wüsstet besser, als sie aufzuregen!" knurrte Menarx.
"Sag das mal Mycroft," murmelte Everon ver?rgert.
Dante senkte besch?mt den Kopf, ging es doch um seinen Vater.
Menarx atmete tief durch und fuhr sich durch die Haare.
"Warum ist Neveah überhaupt hier?! Wieso hast du ihr eubt, die Dünenstadt zu vessen?!" forderte Menarx.
"Euben? Ich ube nicht, dass es in meiner Macht steht, Cousin... oder in deiner. Neveah ist ihr eigener Mensch; sie braucht mich nicht, um ihr zu sagen, wann sie kommen und gehen soll," antwortete Everon ausdruckslos.
"So habe ich das nicht gemeint. Es handelt sich um eine heikle Situation und das wei?t du! Gerade jetzt..." presste Menarx hervor.
"Lord Menarx, das war mein Fehler... Neveah hat nur zugestimmt, hierher nach Scabbard zu kommen, weil ich sie darum gebeten hatte", gestand Dante schuldbewusst.
"Mir war r, dass mein Vater seit den Unruhen unzufrieden war, aber ich hatte keine Ahnung, dass er so weit gehen würde... Verzeih mir," sagte Dante hilflos.
"Es geht nicht darum, ob ich dir vergeben kann oder nicht, Dante. Ich wei?, dass du Neveah nie absichtlich Schaden zufügen würdest."
"Aber ist dir bewusst, wie falsch alles gufen ist? Begreifst du, was Mycroft gerade getan hat? Er hat absichtlich darauf hingearbeitet, dass Demevirld aufgedeckt wird!" sagte Menarx finster.
"Was meinst du mit absichtlich?" fragte Everon mit hochgezogener Augenbraue.
"Hast du nicht gespürt, dass Mycroft sich anders verhalten hat? Wie ubst du, wusste ich, dass ich um diese Zeit hier sein musste?" fragte Menarx und fuhr sich erneut durch die Haare.
"Narx, ich verstehe nicht, was du meinst," sagte Everon unsicher.
"Nachdem ich eine Gruppe von Fae-Spionen, die im Ruder agierten, gefangen genommen hatte, traf ich mich mit dem Herrn des Ruders, um zu besprechen, wie man sich gegen Fae-Spione zur Wehr setzen kann, die sich als Menschen tarnen."
"Er vertraute mir an, dass die Herren der Festungen sich darauf geeinigt haben, Neveah auf die Probe zu stellen, um herauszufinden, ob ihr Durchbruch etwas mit ihrer neuentdeckten Magie zu tun hat, nachdem die Gerüchte über ihre Taten an der Barriere die Runde machten," offenbarte Menarx.
"Was?! Wie konnten sie nur zu einem solchen Schluss kommen?!" rief Everon ungl?ubig.
"Es kursieren zu viele Gerüchte, Ron. Zu viele, als dass jemand wissen k?nnte, was wahr ist und was nicht; es scheint fast so, als ob jemand sie absichtlich verbreitet... um alle auf Demevirld aufmerksam zu machen. Und dann kommt auch noch pl?tzlich die Seuche und die ganze Sache mit dem Strahlenden..." brach Menarx ab.
"Sie uben, dass die Zuf?lle allzu oft mit Neveah in Verbindung stehen, zu h?ufig, um noch als Zufall durchzugehen," vervollst?ndigte Everon."Meinen sie etwa, dass Neveahs Magie den Bruch und die Ansteckung verursacht hat?" fragte Tara ungl?ubig.
"Drachenlords sind weiser als das. Sie uben eher, dass jemand absichtlich versucht, Neveah durch all diese merkwürdigen Ereignisse herauszufordern..." erkl?rte Menarx.
"Und sie haben beschlossen, ihr zuvorzukommen." sagte Menarx leise.
"Man kann es ihnen kaum verübeln, es ist ihre Pflicht, ihre Festungen zu schützen und die Ansteckung ist besorgniserregend... Wenn Neveah darin verwickelt ist, werden sie das nicht wohlwollend aufnehmen. Selbst wenn alles nur geschehen ist, um sie herauszulocken... es sind Leben verloren gegangen." Menarx seufzte schwer.
"Also wurde Mycroft damit beauftragt, den Test durchzuführen... um Neveahs Magie selbst zu sehen." Everon verstand, was Menarx meinte.
"Ich bin so schnell wie m?glich nach Scabbard geflogen, als ich davon erfuhr. Ich hatte gehofft, euch abzufangen, bevor ihr eintrefft, aber ich kam zu sp?t." sagte Menarx.
"Unublich, dass mein Vater mich benutzt hat!" zischte Dante.
Menarx warf Dante einen mitfühlenden Blick zu.
"Mycroft ist zuallererst der Herr von Scabbard, bevor er dein Vater ist. Wenn er denkt, dass dein Urteilsverm?gen durch deine Bindung zu Neveah getrübt ist, hat er natürlich getan, was er für richtig hielt." sagte Menarx.
"Und was geschieht jetzt?" fragte Tara verdutzt.
"Es geht nun nicht mehr darum, ob Neveah direkt oder indirekt der Grund für die Ansteckung ist... Das Problem ist, dass Demevirld eine gr??ere Bedrohung als die Ansteckung darstellt, und wenn dies den Gro?en Lords bekannt wird, werden sie vengen, dass Neveah... eingesperrt wird."
"Wenn Xenon nur hier w?re, er hat einen gr??eren Einfluss auf die Gro?en Lords, besonders auf die starrk?pfigen Herren von Fort Inferno, Knight’s Den und Kezrar Dun... diese drei sind schwierige M?nner, sollten sie davon erfahren..." Menarx lie? den Satz offen.
"Dann dürfen wir nicht zssen, dass mein Vater von seinen heutigen Erlebnissen berichtet." sagte Dante schnell.
"Lord Mycroft ist auch keine leichte Pers?nlichkeit, er ist den Gro?en Lords Redlichkeit schuldig. Und die K?nigsgarde kann kein k?nigliches Dekret essen, snge unser Lehnsherr lebt..."
"Das w?re eine Missachtung von Jians h?chster Autorit?t, und sollten wir es tun müssen, kann es nur mit dem Segen von mindestens vier unserer fünf geschehen... aber von dieser Seite der Festung sind wir nur drei." erkl?rte Menarx Dante.
"Was ist mit der Macht der K?nigsgarde? Sie untersteht nur der k?niglichen Autorit?t. Du k?nntest meinem Vater befehlen, darüber zu schweigen." überlegte Dante.
"Wir Drachen kennen keinen solchen gegenseitigen Respekt, Dante. Lord Mycroft ist ein Kampflord, seine Autorit?t ist weitgehend autonom. Ich kann ihn nicht zwingen, gegen sein eigenes Gewissen zu handeln, ich m?chte meine Sippe nicht entehren." Menarx lehnte sofort ab.
"Dann werde ich ihn darum bitten, als sein Sohn... Ich werde ihn ersuchen, Neveah nicht zu gef?hrden!" sagte Dante bestimmt und verlie? den Raum.
"Aber warum sind die Gro?en Lords pl?tzlich so sehr an Neveah interessiert? Sie sind normalerweise die Besonnensten." sagte Everon verblüfft.
Menarx seufzte und ging am Everon vorbei auf den Balkon.
"Ein Krieg steht bevor, Cousin... die Spannungen steigen und die Gro?en Lords haben ihren Anführer verloren... wir alle haben ihn verloren. Zwei der fünf S?ulen fehlen ebenfalls."
"Die Festung war seit dem Aufstand niemals so verwundbar... Risse beginnen zu erscheinen, und der Feind wird diese zu seinem Vorteil nutzen... die Fae beobachten... sie warten auf ihren Moment..." murmelte Menarx in mncholischem Ton.
"Sie werden bezahlen, wenn Jian zurückkehrt!" knurrte Everon düster.
"Ich werde dafür sorgen, dass sie viel eher bezahlen..." murmelte Menarx und sah Neveah schmerzvoll an.