<h4>Chapter 813: Verbrannt (Kap.814)</h4>
Der Regen hatte schon vor Stunden aufgeh?rt. Aber der Himmel war noch immer von den Nachwirkungen des Sturms verdunkelt.
Neveah stand am Rande der Schlucht, die H?nde sig und noch immer schwach glühend. Die Fae-Sigillen waren schonnge unter ihren Fü?en verschwunden.
Einerseits fühlte es sich an, als w?re ihr eine Last von den Schultern genommen worden. Andererseits fühlte sie sich auch ein wenig schuldig. Sie war sich nicht sicher, ob sie Adriennes Erinnerungen opfern sollte.
Aber es war auch nicht ihre Aufgabe, sie zu tragen. Was getan werden musste, wurde getan.
"Es hat funktioniert", kicherte Lord Fintan ungl?ubig, sichtlich ersch?pft von dem Zauberspruch.
"Wie jedes Jahrhundert zuvor. Die Fae werden sicher sein, w?hrend der Rest der Welt brennt, meinst du." murmelte sie und wandte sich von der Schlucht ab.
"Zu schade. Das wird den Riss nicht für immer versiegelt halten. Es verschafft nur Zeit."
Neveah war sich nicht sicher, was sie erwartet hatte. Dass sich die Schlucht schlie?en und alles wieder so sein würde, wie es war?
Das Opfer von Adriennes Erinnerungen h?tte mehr wert sein müssen als eine vorübergehende L?sung. Aber wann ging jemals etwas so einfach?
Der Bindekreis l?ste sich auf, als sie aus der Schlucht trat, wie eine Narbe in die Erde gebrannt. Das schwarze Meer hatte sich beruhigt. Wie jeder andere gleichm??ig flie?ende Strom. Keine Spur von der knisternden Magie, nur der verbrannte Rand, wo einst sechs Siegelsteine pulsierten.
Wienge diese Ruhe anhalten würde, war Neveah nicht sicher. Aber eines wusste sie, dieser Riss war schwach gewesen. Beoruh hatte sich noch immer nicht erholt. Und er hatte nicht alle Teile der Hybridrune.
Aber er war da drau?en. Und er würde vor nichts Halt machen.
Xenon wartete au?erhalb des Kreises. Er hob Neveah in seine Arme, bevor sie protestieren konnte.
"Mach dich nicht fertig." Sagte er. "Niemand erwartet von dir, dass du die Welt ver?nderst, meine Liebe."
"Du hast Zeit gekauft. Das ist genug."
"Jian?" Fragte sie.
"Mit dem Geschwader. Für den Moment haben wir hier nichts mehr zu tun. Und die Fae-Bataillone k?nnen sich um den Rest kümmern. Wir werden Aloria vessen."
Sie nicktengsam. "Zur Drachenburg?"
"Ja. Garron ubt, dass die versteckten Archive die Antworten enthalten k?nnten, die wir suchen. Und Jian ... der Thron ist schon zunge ohne K?nig."
"Es ist Zeit, dass er an seinen tz zurückkehrt. Und wir auch." murmelte sie zustimmend. Sie kuschelte sich an seinen Hals. Gab der Ersch?pfung nach, die an ihr zerrte.
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Die Welt hatte sich in vielerlei Hinsicht ver?ndert. Aber die Drachenburg hatte sich nicht ver?ndert. Es war so kalt, wie Neveah es in Erinnerung hatte.
Der aufsteigende Raum befand sich in st?ndiger Talfahrt, und nach einer gefühlten Ewigkeit kam er endlich zum Stehen.
Garron trat als Erster heraus. Sein Gesichtsausdruck best?tigte, was sie fühlte. Jeder, der noch einen Funken Selbsterhaltungstrieb besa?, w?re lieber irgendwo anders gewesen als hier unten.
Und w?re ihr die Dringlichkeit nicht bewusst gewesen, h?tte Neveah gegen die Idee protestiert, in die Archive zu gehen, als sie zum Bergfried zurückkehrten.
Jian und Xenon waren direkt in das Arbeitszimmer gegangen. Er hatte noch keine Audienz gew?hrt. Er hatte Imagor, der auf Flugpatrouille war, nicht einmal getroffen und ihn auch nicht über seine Rückkehr informiert.
Offiziell sollte Jian morgen bei Tagesanbruch wieder im Bergfried sein. Doch sie waren bei Einbruch der Nacht zurückgekehrt.
Irgendwie war er anders, seit ihre Rückkehr beschlossen worden war. Nicht für Neveah. Aber seine ganze Miene hatte einen Sprung gemacht. Als h?tte er das unsichtbare Leichentuch des kalten, distanzierten K?nigs wieder angelegt, das ihm in den letzten Tagen entglitten war.
Die Rückkehr in den Drachenturm war bittersü?. Als K?nig würde er sich dem Rat stellen müssen. Er musste sich mit Orins Verlust auseinandersetzen und den Beginn der Bestattungszeremonie ankündigen. Ein Urteil über Ke f?llen, über einen vorübergehenden Fae-Vertreter entscheiden, um die Allianzen mit den Fae neu zu ordnen.
Er würde auch über das weitere Vorgehen in Bezug auf Beoruh nachdenken müssen. Auch die Rückkehr von Fort zed und Fort Inferno nach dem Ausbruch des Vulkans musste gekl?rt werden. Der anstehende Einheitsrat und das Urteil von Lord Riven aus der Halle des Dünenlichts waren Angelegenheiten, die auf seine Entscheidung warteten.
Er hatte nichts davon gesagt, aber Neveah konnte seine Besorgnis spüren. So subtil sie auch war, durch ihre Verbindung. Ein paar Monate in der vessenen Dom?ne hatten ihn fast ein Jahr in der realen Welt gekostet.
Und leider konnte er nicht einfach von diesem Moment an weitermachen. Nein, es gab Hunderte von Stücken, die er aufheben musste. Seine Dynastie des Friedens und des Wohlstands, der er Jahrhunderte gewidmet hatte, war im Grunde... zerbrochen.
Neveahs Herz schmerzte für ihn. Aber sie wusste, was er jetzt brauchte, war ihre stille Unterstützung. Also hatte sie ihm versichert, dass sie auch allein zurechtkommen würde, ihn mit einem L?cheln verabschiedet und Garron nach unten begleitet.
"Hast du eine Ahnung, wonach wir suchen k?nnten?" fragte Neveah und lie? ihren Blick über die endlosen Reihen von Schriftrollen und B?nden schweifen.
"Die Ursprungsrunen reichen bis in die frühesten Jahrhunderte zurück. Der Aufstieg des dunklen Reiches", erkl?rte Garron.
"Im Grunde genommen der Anfang der Zeit", murmelte sie und blickte zurück auf die B?nde. Selbst die ?ltesten von ihnen datierten mindestens einige Jahrhunderte zurück, einschlie?lich Asrigs Schriften.
Es gab keine M?glichkeit, das Alte vom Neuen zu trennen. Nur das Alte vom ?lteren.
"Das ist... hilfreich."
Das war es nicht.
In der n?chsten Stunde bl?tterte Neveah einen staubigen Band nach dem anderen durch. Die meisten waren in einer fremden Sprache verfasst, andere in einem symbolischen Code. Einige lie?en sich nicht einmal ?ffnen.
Schlie?lich engten sie die Daten ein, bis sie vor einem hohen Regal standen. Neveah seufzte schwer.
"Wenn es doch nur von selbst herausfliegen und mir ins Gesicht scgen würde."
Sie bereute ihre Worte, als ein riesiger Foliant in einer Staub- und Schimmelwolke aus dem Regal schoss. Er schwebte direkt vor ihr, doch die Staubwolke l?ste bei Neveah einen Hustenanfall aus.
"Richtig. Magie."
Garron eilte herbei und fing das Buch auf. "Sei vorsichtig damit hier unten. Dieser Ort wimmelt nur so von verfluchtem überrest der dunklen Magie. Magie, selbst gegens?tzliche, zieht sich an. Du willst sicher nicht als m?glicher Wirt auserkoren werden."
Neveah schauderte vor sichtbarem Abscheu. Sie unterdrückte Demevirld sofort.
Garron trug den Folianten zu einem Tisch, auf dem bereits ein Stapel B?ndeg, die er früher beiseitegelegt hatte, wahrscheinlich zu verwandten Themen oder als Referenz.
Er holte eine Lupe und blickte auf den Folianten hinunter.
Es war ein gro?es Buch, dessen Einband kunstvoll mit verschlungenen Ranken verziert war. In der Mitte kamen die Ranken zusammen und bildeten eine Bindung, die wie eine echte, blühende Rose aussah.
"Sie sieht so lebendig aus wie jede andere Rose, die man auf einer üppigen Wiese finden würde", bemerkte Garron und blinzelte.
"Du wei?t, dass du das eigentlich nicht brauchst, oder?" fragte Neveah zur Sicherheit.
Garron schnaubte leise. Doch seine Aufmerksamkeit galt ganz dem Folianten und der Suche nach einem Weg, die Bindung zu umgehen.
Neveah wartete schweigend.
"Veah, du solltest zuerst nach oben gehen. Ich bleibe noch eine Weile bei diesem", sagte Garron schlie?lich.
Sie widersprach nicht. Es war schon schwierig genug, Jian und Xenon zu überzeugen, sie selbst herunterkommen zussen. Ihre wachsende Affinit?t zur Magie bereitete allen Sorgen. Je weniger Zeit sie hier unten verbrachte, desto besser.
Als der Aufzugsraum das unterirdische Niveau überstieg, lie? Neveah schlie?lich einen unruhigen Atemzug los.
Angesichts der allgemeinen Anspannung wurde sie zunehmend besorgt, dass sie dunkle Magie einatmen k?nnte.
Sie stoppte den Aufzugsraum auf Erdniveau. Es war jetzt sp?t in der Nacht. Die Festung war kalt und leer, bis auf ein paar Drachenherren, die Neveah zweimal ansahen.
Sie waren durch ein Portal auf der Landettform der zweiten Ebene gekommen. Ihre Reaktion war also keine überraschung.
Drau?en im Hof lie? Neveah ihre Fü?e sie bis zur wackeligen Brücke führen.
Dort stand Xenon. Sein schwarzes Gewand wehte sanft in der Abendluft.
Der Anblick brachte ein L?cheln auf Neveahs Lippen. Der pl?tzliche Drang, einen Spaziergang aus der Festung zu machen, musste durch ihre Verbindung übergesprungen sein.
Sie ging auf ihn zu und blieb nur kurz hinter ihm stehen. Sie g ihre Arme um seine Taille und lehnte sich gegen ihn.
Er brummte leise. "Was habe ich über das Stehen in der K?lte gesagt, Misha?"
Der Schmerz war sofort da. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, und Neveah zog sich zurück, als h?tte sie sich verbrannt.
Xenon drehte sich fast sofort um. Seine Augen waren weit aufgerissen, entsetzt über seine eigenen Worte. "Veah, ich wei? nicht, warum... Ich... es ist einfach..."
Neveah wartete nicht, sie wandte sich ab und eilte zurück zur Festung.