<h4>Chapter 699: Die Akademie 2 (Kap.700)</h4>
Die Tore zum Gerichtssaal schwangen aus eigener Kraft auf, gerade als Neveah nur noch wenige Schritte davon entfernt war, und offenbarten allen Anwesenden ihre Ankunft, noch bevor sie bereit war, sich zu erkennen zu geben.
Sie ?fen sich gespenstischngsam, ganz so, als bewegten sie sich in Zeitlupe, gelenkt von einer unsichtbaren Kraft. Doch nichts wirkte fehl am tz oder ungew?hnlich.
Neveah zog die Brauen leicht zusammen, im Grübeln darüber, ob dies eine gel?ufige Erscheinung w?re. Sie war bisher nie in diesem Gerichtssaal gewesen, und selbst der Audienzsaal des Drachenturms hatte keinen solchen eingebauten Sensor, der die Verhandlungen unentwegt unterbrochen h?tte, sobald jemand vorüberging.
Die einzige Notwendigkeit für S?le, die für entscheidende Beschlüsse genutzt wurden, bestand darin, sie mit einer Schallisolierung auszustatten, um w?hrend der Verhandlungen das Austreten sensibler Informationen über die W?nde des Saals hinaus zu unterbinden, und der gesamte Drachenturm wurde mit diesem Ziel errichtet.
Da Neveah sich über das Layout der Reiterakademie nicht v?llig im ren war, trat sie trotz ihres misstrauischen Blicks auf die Türen hinein.
Zuerst kreuzte sich ihr Blick mit dem von Menarx, dann dem von Adrienne, und schlie?lich erfasste ihr Blick die Anwesenheit von Meister Maloway und den anderen Meistern der Reiterakademie, die den kleinen Gerichtsrat bildeten.
Der Rat erhob sich und bekundete Neveahs Erscheinen mit kurzen Verbeugungen des Respekts. Neveah erwiderte die Verbeugung, bevor sie ihr Beobachten fortsetzte.
Schlie?lich ruhte Neveahs Blick auf der dunklen Fee, die in der Mitte des Saals an den Boden gefesselt war.
Natürlich war sie der Mittelpunkt des Interesses, aber Neveah hatte es anfangs vermieden, auf die Anwesenheit der dunklen Fee zu reagieren, da sie es nicht für angemessen hielt, ihr solche Anerkennung zu zollen.
Der Blick von Neveah traf nicht auf den der dunklen Fee; deren Bewegung war durch die schweren Ketten eingeschr?nkt, sodass Neveah annahm, es w?re für die Fee eine beachtliche Herausforderung, sich umzuwenden und Neveahs Blick zu erwidern.
Doch das leise, kaum vernehmbare Schnauben der dunklen Fee war für Neveah mehr als genug, um zu wissen, dass die Fee ihre Ankunft zur Kenntnis genommen hatte und noch dazu den Grund ihres Kommens.
Neveahs die Frage in Menarx’ Augen, als ihr Blick wieder zu ihm wanderte, doch sie konnte in Anwesenheit der dunklen Fee keineute Auskunft über Zephyrs unbekannten Aufenthaltsort geben.
Neveah hatte nur ein paar Schritte in den Gerichtssaal gemacht, als ihre Ohren ein seltsames Ger?usch aufnahmen, das Klirren von Metall auf gleicherma?en harter Oberfl?che, und Neveahs Augen suchten schnell nach der Ger?uschquelle.
Beinahe sofort fixierte sich ihr Blick auf einen kleinen metallischen Gegenstand, der vom Flur in den Gerichtssaal rollte, und Neveah vermutete, dass sie vielleicht doch nicht der Grund für das dramatische ?ffnen der Türen war.
Der metallische Gegenstand kam an Neveahs Fü?en zum Stillstand, lehnte sich gegen die Sohle ihres Stiefels und Neveahs Stirnrunzeln vertiefte sich.
’Zumindest nicht der alleinige Grund...’ korrigierte Neveah ihre vorherige Annahme.
Der Gegenstand war zielstrebig auf sie zu gerollt, offensichtlich war er dafür bestimmt, von ihr aufgenommen zu werden.
Sie beugte sich hinunter, um die Metallkugel aufzuheben, erstarrte aber halbwegs, als Menarx sie ansprach.
"Veah! Nicht anfassen! Wir wissen nicht, was es ist – es k?nnte gef?hrlich sein." sagte Menarx und eilte rasch zu Neveah.
Neveah warf Menarx einen Blick zu, der in Sekunden den Raum durchquerte und sich neben sie stellte.
"Und es w?re nicht gef?hrlich für dich?" fragte Neveah mit hochgezogener Augenbraue.
"Meine Dame, Lord Menarx hat Recht. Lassen Sie ihn zuerst nachsehen." schaltete sich Meister Maloway ein und stützte sich dabei auf seinen Gehstock.Seine tiefe und weise Stimme hinderte Neveah daran, weiter zu widersprechen. Obwohl sie seit mehr als einem Jahr nicht mehr zusammengetroffen waren und ihre gemeinsame Zeit kurz und unerwartet beendet worden war, erkannte Neveah Meister Maloway noch immer als den einzigen wahren Lehrer an, den sie auf dem Weg zum Drachenreiter hatte.
Menarx z?gerte nicht, er beugte sich vor und hob den Gegenstand auf, um ihn n?her zu betrachten.
Es war eine kleine Metallkugel, gerade gro? genug, um in die Mitte von Menarxs Handfl?che zu passen.
Neveah erkannte sie nicht, aber Menarx schien betroffen, denn er betrachtete die Metallkugel mit einer tiefen Sorgenfalte, die seine stattlichen Züge verdüsterte.
"Kennst du sie?" fragte Neveah Menarx.
"Ich habe sowas schon ein paar Mal gesehen. Sie wird Flüsterkugel genannt, aber unter den Menschen ist sie als ’das dunkle Auge’ bekannt. Ein Mechanismus, der in ferner Vergangenheit im dunklen Imperium genutzt wurde, um geheime Nachrichten zu übermitteln... Ich habe so etwas seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen."
"In der richtigen Hand offenbart sie eine verborgene Botschaft. In der falschen setzt sie t?dliche Toxine frei", offenbarte Menarx Neveah.
"Her damit." forderte Neveah sofort.
"Drachen sind gegen dieses Gift immun. Es wurde haupts?chlich eingesetzt, um die menschliche Bev?lkerung in Schach zu halten", erkl?rte Menarx.
"Wenn aber die Botschaft noch verborgen ist, bedeutet das, dass du nicht der Richtige bist", mutma?te Neveah.
Menarx nickte und reichte die Kugel z?gerlich an Neveah weiter, wich allerdings nicht von ihrer Seite.
In dem Augenblick, als die Kugel in Neveahs Handg, pr?gte sich eine Nachricht in schwarzer Schrift auf ihr Handfl?che ein und verschwand beinahe ebenso schnell, aber nicht bevor Neveah sie gelesen hatte:
’Einen fairen Tausch...’
’Die Drachenbrut gegen Celeste...’
’Ein Leben für ein Leben.’
’Komm allein... Wolfprinzessin.’
Das waren die Worte, die kurz auftauchten, bevor sie ebenso schnell wieder verschwanden, und Neveah starrte nur schweigend auf ihre Handfl?che.
"Was stand da?" fragte Menarx ?ngstlich.
"Sie haben Zephyr... sie wollen sie", flüsterte Neveah Menarx zu, wobei ihr nur wenige Worte gngen und sie nicht bemerkte, dass Imagor gerade rechtzeitig eingetroffen war.
Menarx’ Augen weiteten sich entsetzt bei der Erkenntnis von Zephyrs Verschwinden, und in seinem Schockzustand war er nicht in der Lage, Imagor davon abzuhalten, auf die dunkle Fee zu stürzen.
"Diese Hexe stirbt!!" Imagors Brüllen lie? die Erde erzittern.