<h4>Chapter 562: Endgültige Entscheidung (Kap.563)</h4>
Lord River sinnierte einen Moment, hatte er doch den Gro?teil seines Lebens in der Halle des Lichts verbracht, kaum anders als ein Gefangener,
nur dass er in seinem Fall den Diensteid freiwillig geschworen hatte.
Lord River hatte nicht viele Feinde, sein gesamtes Universum begann und endete in der Halle des Lichts.
Es gab nur zwei V?lker, mit denen er interagierte: die Drachen, denen er seinen Treueeid geschworen hatte, und die Fae, seine eigenen Leute.
Welches dieser V?lker w?re wohl eher geneigt, sein Leben auf so hinterh?ltige Weise zu beenden?
"Warum muss ich sterben?! Ich habe alles getan, was vengt wurde! Ich habe die Befehle aufs Spiel meines eigenen Lebens hin befolgt, also warum muss ich sterben?" raste Lord River und erhob sich.
"Wie sollte ich die Antwort darauf wissen?" fragte die Stimme erneut, diesmal n?her an Lord Rivers Zelle herantretend.
Lord River wich vorsichtig zurück, Panik stand ihm in den Augen.
"Nur du selbst wei?t wirklich, warum du sterben musst", sagte die Stimme.
Diesmal konnte Lord River endlich der Stimme ein Gesicht zuordnen und begriff, warum sie ihm so bekannt erschienen war.
"Lady Neveah?..." fragte Lord River verwirrt und sah zu, wie Neveah Hut und Schal ablegte.
Ihre Haarfarbe war seltsamerweise anders.
Lord River hatte die Erbin von Schloss Dune nicht oft getroffen; sie hatte ihren Vater nur einmal in die Halle des Lichts begleitet,
und selbst da hatte er sie nur aus der Ferne gesehen. Danach gab es noch ein paar weitere Male.
Trotz der wenigen Begegnungen war Lady Neveah Vairheac ein unverwechselbares Gesicht, das man nicht verwechseln oder vergessen konnte.
"Was soll das bedeuten? Hat Lord Kaideon dich dazu überredet?" fragte Lord River emp?rt.
Lady Neveah neigte leicht den Kopf zur Seite, ihr Haar fiel ihr über die Schultern.
"Woher kommt das pl?tzliche Selbstvertrauen, Lord River? Noch vor einem Moment konntest du kaum sprechen ... bin ich nicht furchteinfl??end genug?" fragte Neveah mit leiser Stimme.
Lord River ?fe den Mund, um zu antworten, schloss ihn dann aber wieder. Seit der Panne hatte er viele Gerüchte geh?rt, die meisten drehten sich um eben diese Neveah Vairheac.
Lord River war sich nicht sicher, ob er die Antwort auf ihre Frage wissen wollte.
"Ihr wagt es, meinen Vater zu nennen? Wenn mein Vater selbst gekommen w?re, dann nur, um euch den Tod zu bringen... denn ihr habt die Ehre der Dünen durch den Schmutz gezogen."
"Was ubt ihr, was es bedeutet, meinen Vater in eine Lage zu bringen, wo es so aussieht, als k?nnte er sein eigenes Haus nicht führen... das auch noch vor dem Drachenk?nig?" fragte Neveah, ihr Tonfall war gespenstisch ruhig.
"Ich... meine Verehrung für den Dünenlord war immer aufrichtig, ob du es ubst oder nicht. Es gibt Dinge, die über dein Verst?ndnis hinausgehen, du bist Jahrhunderte zu kurz, um dich einzumischen." verteidigte Lord River standhaft seine Position.
Neveah hob daraufhin eine Augenbraue und kicherte leise.
"Ausflüchte stehen dir nicht, Lord River. Ich bin alt genug, um die Bedeutung des Wortes ’Verr?ter’ zu verstehen", behauptete Neveah.
"Ihr solltet euch da raushalten... das geht euch nichts an, auch euren Vater nicht. Die Halle des Lichts wurde immer unabh?ngig geführt, ich werde die Verantwortung alleine tragen." sagte Lord River schlie?lich nach einem kurzen Moment des Schweigens.
"Es gibt nichts in den Wei?en Dünen, das man von den Vairheacs trennen k?nnte. Das ist die Basis meines Vaters... alles, was ihr getan habt, ist, seine Ehre mit Fü?en zu treten. Und was wollt ihr tun? Verantwortung übernehmen? Seid ihr dazu überhaupt qualifiziert?" zischte Neveah düster.
"Der Gast, der euch von den Fae geschickt wurde, ist in den H?nden der Vollstrecker von Dune, obwohl ich nicht sehe, warum wir uns einmischen sollten... in die Angelegenheiten der Halle des Lichts, wie ihr so deutlich betont habt."Wenn die Fae wollen, dass Ihr sterbt, solltet Ihr sterben, Lord River. Wenn Ihr schon Euren Treueschwur gegenüber meinem Lehnsherren nicht halten konntet, bleibt Eurer Art wenigstens bis zum Ende treu", riet Neveah.
"Ich bin nur hier, um Euer Gesicht zu sehen und zu beobachten, wie hoch Euch Eure Art sch?tzt... Jetzt frage ich Euch, ist es das wert?" erkundigte sich Neveah in einem neutralen Tonfall.
Lord River knirschte mit den Z?hnen und ballte seine H?nde zu festen F?usten.
"Ich durchschaue Euch, Neveah. Ihr versucht, mich aus der Fassung zu bringen, mich dazu zu bringen, Euch alles zu verraten, was Ihr wissen wollt", beschuldigte Lord River.
Neveah kicherte leise und schüttelte den Kopf über Lord Rivers Worte.
"Ihr seid wirklich unterhaltsam. Ihr müsst ein Genie sein, dass Ihr Absichten erkennt, die nicht bereits offensichtlich waren", ?u?erte Neveah sarkastisch.
"Versucht es noch einmal, mal sehen, ob ich Euer Geheimnis herausbekomme oder nicht", ermutigte Neveah.
Lord River runzelte die Stirn, sein Blick verengte sich.
"Das also ist Euer wahres Gesicht... Ihr seid nicht die würdevolle und ruhige Dame, als die Euch Lord Kaideon darstellte", sagte Lord River leise.
Neveah schmunzelte, lehnte sich leicht vor.
"ubt mir, Lord River... wenn Ihr mich jetzt absto?end findet, h?ttet Ihr mich vor einigen Jahren nicht kennenlernen wollen", versicherte Neveah.
"Nun", fuhr Neveah fort und lehnte sich wieder zurück.
"So wie ich die Sache sehe, habt Ihr verschiedene Optionen. Ich k?nnte dieses Gewand zurückgeben, wem es geh?rt, und den Kopfgeldj?ger seinen Auftrag unbehelligt ausführenssen."
"Oder ich k?nnte ihn gefangen halten, so dass Ihr bis zum Morgengrauen lebt, um Lord Menarx gegenüberzutreten. Ich k?nnte Euch auch jetzt gleich selbst t?ten... wenn Ihr das m?chtet", führte Neveah die Optionen auf.
"Was ich im Wesentlichen sagen will, ist, dass ich Euch anders als die Fae die Wahl Eures eigenen Endes übesse. Ganz gleich, für welchen Weg Ihr Euch entscheidet, ich werde dafür sorgen, dass es genau so geschieht... Ihr habt mein Wort", versicherte Neveah.
Lord River blinzelte überrascht: "Wollt Ihr mich nicht auffordern zu erz?hlen, was ich wei? und mir im Gegenzug eine Chance zu leben anbieten?" fragte er verwirrt.
"Warum sollte ich das tun?" fragte Neveah mit einem sp?ttischen Lachen.
"Ihr standet in der Gegenwart des Drachenk?nigs und habt es gewagt zu lügen. Ihr h?ttet damals wissen müssen, dass dies nur auf eine Weise enden kann... Eure einzige Option ist, wie Ihr sterbt", kl?rte Neveah auf.
"Und mein Gest?ndnis? Ihr h?ttet es aus mir herausholen k?nnen... h?ttet Eure Verkleidung bis zum Ende aufrechterhalten k?nnen. Warum habt Ihr das nicht gemacht?" fragte Lord River.
Neveah dachte einen Moment nach, bevor sie gleichgültig mit den Schultern zuckte.
"Ihr wurdet in jungen Jahren zum Lord dieser Lichthalle erw?hlt... Ihr habt die gro?e Ehre angenommen, weil man Euch erw?hlt hat. Aber ich frage mich... ob das jemals ein Weg war, den Ihr wirklich wolltet..."
"Ihr habt die Barriere über Jahrhunderte aufrechterhalten, ohne ein anderes Leben oder einen anderen Zweck zu haben... sicherlich habt Ihr nicht einmal bemerkt, wann es aufh?rte, sich wie eine Ehre anzufühlen und mehr wie eine Last..."
"Als Zwietracht zwischen der Rasse, der Ihr dient, und jener, zu der Ihr geh?rt, aufkeimte, muss es sich angefühlt haben... wie ein Zwiespalt zwischen einem Felsen und einem harten Ort", dachte Neveah mehr über Lord Rivers Perspektive nach, als ihr bewusst war.
"Und nun müsst Ihr sterben... obwohl Ihr Euch nicht einmal sicher seid, ob die Sache, für die Ihr sterben werdet, überhaupt Eure Wahl war oder nicht."
"Ihr habt sehrnge gelebt, Lord River... wie Ihr sagtet, ich bin Jahrhunderte entfernt davon, Euch zu verstehen."
"Aber was ich kenne, ist das Gefühl, niemals die M?glichkeit einer Wahl gehabt zu haben..."
"Auf diese Weise zu sterben... das ist eine zu harte Wirklichkeit für jeden", murmelte Neveah.
"Zumindest in diesen letzten Tagen... muss jede Entscheidung von Euch selbst stammen. Das kann ich Euch nicht abnehmen, Lord River. Also werde ich Euch zu nichts zwingen... Ihr k?nnt w?hlen, mit Euren Geheimnissen zu sterben, genau hier, und ich werde es Euch erm?glichen", versicherte Neveah.