<h4>Chapter 538: Schattenturm (Kap.539)</h4>
Bei Tagesanbruch durchstreiften Schattenbestien die düsteren Lande, und Azkar vernahm ihr grauenhaftes Kreischen, das sich aus der Ferne zu ihm herüber trug.
Es war bekannt, dass sie sich um den Schattenturm herum und in den gesamten dunklen Landen aufhielten, doch niemals wagten sie sich in den Schattenturm selbst.
Das Tor war das ?u?erste, an das sie sich herantrauten. Es zeugte davon, wie einst bedrohlich der Schattenturm gewesen sein musste, dass selbst die überbleibsel seiner Macht noch immer abschreckende Wirkung hatten.
Langsam schritt Azkar auf dem vertrauten Pfad, den er als Kind schon unz?hlige Male beschritten hatte.
Der einst gepsterte Weg war nun von Schmutz und Gestrüpp überdeckt und nicht mehr zu erkennen.
Mit jedem Schritt, den Azkar tat, starrte er auf das schmerzhafte Auseinanderffen zwischen seiner Erinnerung und dem, was sich nun vor seinen Augen ausbreitete – eine erdrückende Stille, die über den Türmenstete.
Nicht jedem war es verg?nnt, den Schattenturm so kennenzulernen, wie Azkar es tat.
Als treue Diener des dunklen Herrschers von Jugend an waren Azkars Eltern angesehene Zauberer, hochgesch?tzt unter den Ihren, und Azkar wuchs hier auf, umgeben von den edelsten seiner Art.
Doch er wusste, dass er niemals die Brinz seiner Eltern geerbt hatte; zu ihrem Missfallen und dem Hohn vieler seiner Artgenossen.
Azkar war schon immer anders gewesen, und nie im positiven Sinne. Er war einfach weniger... weniger talentiert, weniger kraftvoll,ngsamer in der Aneignung der Künste, weniger mutig, weniger überzeugend...
So sehr, dass Azkar wohl niemals das Erbe seiner Eltern antreten würde, und er wurde immerfort an diese Tatsache erinnert.
Und wenn es etwas gab, das er trotz der verssten Erinnerungen nicht vergessen konnte, dann war es das Gefühl der Inkompetenz, das sich tief in sein Bewusstsein eingegraben hatte.
Dass er das Erbe seiner Geburt nicht verdiente...
"Doch am Ende... gab es sonst niemanden..." murmelte Azkar, begleitet von einem leisen Kichern.
"Ihr seid alle gestorben." Endete er und sein Lachen verstummte, seine Stimme spiegelte dabei eine vielschichtige und unentwirrbare Emotion wider.
Als einer der wenigen überlebenden des Massakers wusste Azkar, dass er sich nur deshalb jahrzehntng unter den Menschen verbergen konnte und seine Existenz geheimhalten konnte, weil er so unzureichend gewesen war.
Weil seine magischen F?higkeiten einst so schwach waren, dass die Drachen ihn nicht spüren konnten und die von Drachenloyalisten gebauten Sensoren für dunkle Magie ihn nicht einmals erfasst hatten,
Niemand hatte Notiz von ihm genommen, und die wenigen Menschen, die die Wahrheit erfuhren, ignorierten ihn, da er für sie niemals eine Bedrohung darstellen k?nnte.
Azkar hatte sich mit seiner Unzul?nglichkeit arrangiert; sie hatte ihm das Leben gerettet und ihm die M?glichkeit gegeben, sich zu entwickeln... zu jener Bedrohung zu wachsen, von der sie nie geubt hatten, dass er sie je werden k?nnte.
Letzten Endes hatte Azkar sich alles selbst beigebracht; es hatte fast ein Jahrhundert gedauert, bis er ansatzweise so gut war wie seine Eltern, doch Zeit war etwas Wunderbares und mit der Zeit hatte er sie alle übertroffen...Und Jahrhunderte sp?ter war Azkar nun der Herr des Schwarzen Netzes, belebte die Künste der schwarzen Magie wieder und stellte eine der gr??ten Bedrohungen für die Festung dar - und das schon seit Jahrhunderten.
Würde der Schattenturm noch stehen, w?re sich Azkar sicher, dass er würdig gewesen w?re, unter den m?chtigsten dunklen Magiern zu stehen.
Doch trotz all seiner Erfolge konnte Azkar nicht über das Gefühl der Unzul?nglichkeit hinwegkommen, wenn er in seine Heimat zurückkehrte. Er konnte den Schattenturm seit dem Aufstand nur an einer Hand abz?hlen.
Die Erinnerungen an diesen Ort waren bittersü? - nicht durchweg schrecklich, aber auch nicht ohne Schmerz.
Hier hatte sich Azkar am unwürdigsten gefühlt und doch war es der einzige Ort, der je ein Zuhause hatte sein k?nnen.
Azkar verdr?ngte seine Gedanken und beschloss, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Je schneller er den Gegenstand beschaffen k?nnte, nach dem er gekommen war, desto schneller k?nnte er diesen Ort wieder vessen.
Azkar war bereits eine Weile unterwegs, als er für einen Moment innehielt und seinen Blick schweifen lie?.
Nun war er im hinteren Hof des Turms angekommen, wo sich ein gro?er Teich befand. Azkar atmetengsam aus, als er diesen sah.
Er ging bed?chtig um den Teich herum, z?hlte dabei im Kopf seine Schritte, und als er einen bestimmten Punkt erreichte, hielt er an.
In die Hocke gehend, wischte Azkar den Staub vom Boden, bis eine Rune sichtbar wurde.
Sie war tief in den Boden eingegraben und von einem verssten roten Schimmer umrandet.
Alle anderen Gew?sser, Brunnen und alles andere im Turm waren ausgetroc. Dies war der einzige Wasserbereich, der noch gefüllt war,
doch enthielt er keine gew?hnliche Flüssigkeit, sondern eine seltsame Substanz, die fast silbern schimmerte und je nach Blickwinkel anders gef?rbt zu sein schien.
Azkar fuhr mit einem Finger über die Rune, sein Fleisch kratzte über die harte Oberfl?che und hinterlie? eine Blutspur, w?hrend er die Rune mit Blut nachzeice.
Nachdem die Rune vollst?ndig mit Blut bedeckt war, zog Azkar seine Hand zurück und wartete dann, w?hrend er die Rune mit zusammengekniffenen Augen studierte.
Ein Moment verging, ohne dass etwas geschah, doch Azkar gab nicht auf.
Diesmal zog er eine kleine Klinge aus seinem Gürtel, machte einen tiefen Schnitt in seine Handfl?che und hielt sie über die Rune, sodass sein Blut auf sie tropfte.
Die Flüssigkeit folgte dem Veuf, den die eingravierte Rune vorgab.
Azkars Blick blieb auf der Rune fixiert, seine Augen konzentriert und er ballte seine Hand zur Faust, als der Blutfluss nachlie? und ein weiterer Schwall Blut auf die Rune hinabtropfte.
"Was hast du vor, Kaz? Willst du dich selbst ausblutenssen?" Eine h?hnische Stimme erng hinter Azkar, mit der er sicherlich nicht gerec hatte.