<h4>Chapter 495: Das Schlimmste (Kap.496)</h4>
Wann hat alles schief zu gehen begonnen? Neveah war sich unsicher. Im einen Moment küsste sie Xenon mit einem fiebrigen Eifer, seine Zittern beruhigte sich in ihrer Umarmung und seine zarten Zuneigungsbekundungen brachten Neveahs Welt zum Stillstand. In jenem Moment wusste Neveah, dass sie Xenon wirklich helfen konnte, dass sie sein Anker sein konnte, snge sie an seiner Seite war.
Doch im n?chsten Augenblick wurde Neveahs Bewusstsein in die Tiefen ihres Geistes gezogen und zum ersten Mal seit Langem übernahm Neveahs Wolf die Kontrolle. Neveah wurde unsanft zurückgesto?en und ihr Wolf nahm Besitz von Neveahs Gestalt.
Neveah konnte gar nicht schnell genug reagieren, denn schon erng ein leises, schmerzerfülltes Keuchen von Xenon, als ihre verl?ngerten Eckz?hne sich in das Fleisch seines Halses gruben und tief eindrangen. Neveah verspürte einen pl?tzlichen Schwall in ihren Adern, als ob jeder Faser ihres K?rpers entmmt w?re und tz für eine neue Bindung machte... eine Bindung, die Neveahs Wolf gerade ohne Xenons Einwilligung geschaffen hatte.
’Was hast du getan?’ dachte Neveah entsetzt zu ihrem Wolf, als Xenon in dem Moment, als die Eckz?hne zurückgezogen wurden, kraftlos in Neveahs Armen wurde. Und so gab Neveahs Wolf die Kontrolle an sie zurück.
Neveah sank auf die Knie und fing Xenons Sturz ab, w?hrend sie entsetzt auf die Bissspur an Xenons Hals starrte, aus der noch immer heftig Blut str?mte - es sickerte in seine Kleidung und auch in Neveahs. Der Biss hatte eine tiefe Wunde hintessen, und Xenon verlor schnell viel Blut, was noch verschlimmert wurde, denn Neveah wusste, dass ein Paarungsmal durch die heilenden Toxine, die Neveah an Xenon übertrug, schnell heilen würde. Selbst bei einem Menschen h?tte die Heilung bereits begonnen. Aber das Mal auf Xenons Schulter zeigte keine Anzeichen der Heilung.
"Xenon! Xenon!" rief Neveah und rüttelte an Xenons Schultern, um ihn zu wecken, doch es war vergebens. Neveahs Hand wanderte zu Xenons Hals, um den Puls zu überprüfen. Seine Atmung war seltsam beschleunigt und obwohl er bewusstlos war, war sein Gesichtsausdruck immer noch von Schmerz verzerrt. Neveah konnte sich vorstellen, wie die Gifte von ihrem Biss selbst in diesem Moment seinen Blutkreiuf beherrschten und seine K?rperkonstitution v?llig auf den Kopf stellten.
Xenon war kein Werwolf, er war anders... Wie k?nnte sie die Auswirkungen ihres Bisses vorhersagen? Wie k?nnte sie wissen, was der Biss eines Wolfes bei einem Drachen anrichten würde?
’Was hast du getan?! Was hast du getan?!’ zischte Neveah ihren Wolf durch ihre Verbindung an. ’Was wir schonnge h?tten tun sollen’, erwiderte Neveahs Wolf ohne jegliche Reue. "Du hast ihm wehgetan! Was soll ich jetzt tun?! Er h?rt nicht auf zu bluten!" geriet Neveah in Panik.
’Die Bindung hat gerade erst begonnen, er wird nach dem Prozess heilen. Es sollte nicht l?nger als ein paar Tage dauern’, dachte Neveahs Wolf zu ihr. "Du... " Neveah zischte, doch sie fand keine Worte, um ihren Wolf zu tadeln.
Neveah hatte nicht einmal die Zeit darüber nachzudenken, denn im n?chsten Augenblick hallte einutes Kreischen vom Himmel wider...Das Ger?usch war nahe, so nahe, dass Neveah wie angewurzelt stehen blieb und sichngsam umdrehte. Ihr Blick glitt den Baum hinauf, der nur eine kurze Distanz von ihnen entfernt war, und auf einem Ast thronte eine riesige Masse aus Schatten, die die Gestalt eines erschreckenden geflügelten Ungeheuers annahm. Die Schatten wirbelten und brodelten, und die hohlen Stellen, die als Augen des Biests dienten, waren auf Neveah und den bewusstlosen Xenon gerichtet. Neveah warf einen Blick auf Xenon, dann auf das Ungeheuer. Sie bewegte sich behutsam, legte Xenon sanft auf den Boden, w?hrend ihre Augen das Biest nicht aus dem Blick lie?en. Dann richtete Neveah sich auf, ihre H?nde zu festen F?usten geballt, bereit, Xenon vor der Schattenbestie zu schützen. Eine Schattenbestie war eine überaus b?sartige Kreatur, Neveah hatte zusehen müssen, wie Menarx und Cassian gegen eine solche k?mpften und sie sich sogleich mit derselben Leichtigkeit wieder formierte. Wenigstens waren sie damals von einem Zauberer heraufbeschworen worden, doch dieses Mal waren die Schattenbestien aus den L?ndern jenseits der Barriere, belebt durch die Dunkelheit, die das Land vergiftete... sie hatten weder Ursprung noch Beschw?rer. Noch nie hatte Neveah gegen eine Schattenbestie gek?mpft, und auch in diesem Augenblick hatte sie keine Ahnung, wie man sie bezwingen k?nnte. Doch eines wusste Neveah gewiss: Das Biest würde nicht an ihr vorbei zu Xenon gngen. Neveah holte tief Atem und genau in dem Moment, als sie ausatmete, stürzte sich das Ungeheuer mit einem wilden Schrei auf sie. Neveah war bereit, den Angriff abzuwehren, doch er kam nicht. In einem Moment war das Ungeheuer direkt auf sie zugerast, im n?chsten Moment ?nderte es seinen Kurs. Die Bestie wirbelte durch die Luft, in eine andere Richtung, und an ihrer Stelle stand nun eine Person, die Neveah nie erwartet h?tte zu sehen. Sein Blick war zu einer dunklen, zornigen Miene verengt, eine der wenigen Emotionen, die sich in seinem Gesicht zeigten. Und dieser dunkle Zorn war auf niemand anderen gerichtet als Neveah. Einen Momentng überlegte Neveah, dass die Schattenbestie eine angenehmere Alternative gewesen w?re als die Konfrontation mit einem wütenden Drachenk?nig. K?nig Jians Blick wich nicht von Neveah, auch nicht, als die Schattenbestie erneut vor Wut kreischend auf sie zustürmte. Ohne der Bestie auch nur einen Blick zu g?nnen, hob K?nig Jian eine Hand. Ein Strom von mmen schoss daraus hervor und verg die Schattenbestie g?nzlich. Neveah sah entsetzt zu, wie die Bestie vollst?ndig von den mmen verzehrt wurde und ihre grauenvollen Schreie im Nichts verhallten. Dann legte sich wieder Stille über den Wald... doch diesmal war die Anspannung in der Luft so dicht, dass sie mit einem Messer zu schneiden war. Nach einem ganzen Jahr hatte Neveah nie darüber nachgedacht, unter welchen Umst?nden sie dem Drachenk?nig wiederbegegnen würde... sie hatte wirklich nicht gedacht, dass sich ihre Wege je wieder kreuzen würden. Aber von all den Szenarien, die sie sich nicht ausgemalt hatte, wusste Neveah ohne jeden Zweifel, dass dies die schlimmste aller M?glichkeiten war.